Plötzlich in der Pflicht

Von:  Annika Fröhlich

 

Im Rahmen der CSR-Berichtspflicht müssen einige unternehmen nun über ökologische und soziale Themen Rechenschaft ablegen. Es ist die konkreteste von mehreren politischen Initiativen in dieser Richtung. Der Trend ist eindeutig: Was früher freiwilliges CSR-Engagement war, wird immer mehr zum gesetzlichen Standard. Wird CSR damit ein Compliance-Thema? 

Mit der CSR­Berichtspflicht geht eine größere Transparenz in Bezug auf ökologische und soziale Auswirkungen unternehmerischer Tätigkeit einher. Corporate
Social Responsibility (CSR) ist nicht mehr nur eine
Frage des guten Namens, sondern eine Pflichtveranstaltung – und damit ein Thema für die Compliance. Längst nicht alle Unternehmen haben
sich darauf eingestellt und CSR näher an die Compliance­Abteilung rücken lassen. „Bei weiteren gesetzlichen Regulierungen bekommt CSR
eine völlig neue Bedeutung und geht viel mehr in
Richtung Compliance“, so Compliance­Berater Andreas Kark.

Die neue Berichtspflicht erhöht also den Druck auf Unternehmen. Und sie zeigt: Der Gesetzgeber versucht zunehmend, CSR­Themen in Pflichten zu übersetzen. Beispiel Lieferkette: Durch zahlreiche deutsche Unternehmen werden Menschenrechtsverletzungen bei ihren Lieferanten billigend in Kauf genommen, wie eine Auswertung von 1.800 Menschenrechtsbeschwerden der Universität Maastricht belegt. Laut der Untersuchung gab es solche Vorwürfe gegen 87 deutsche Unternehmen. Deshalb arbeitet die Bundesregierung aktuell an einem Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte, der in neue, schärfere Gesetze münden könnte. Genauso wie die „Sustainable Development Goals“ (kurz: SDGs) der Vereinten Nationen.

Regeltreue in Sachen CSR

Für Unternehmen entsteht damit Handlungsbedarf: „Sie sollten auf jeden Fall ihr Compliance­Management prüfen, weil CSR dort eine immer größere Rolle spielen wird“, warnt Frank Häuser, auf Compliance spezialisierter Rechtsanwalt der Unternehmensberatung Roland Berger. Compliance kümmert sich um die Regeltreue eines Unternehmens, es geht also darum, inwieweit Mitarbeiter Gesetze, Vorschriften und Selbstverpflichtungen ein­ halten. Bei Verstößen drohen Strafen oder Bußgelder. Das war bislang bei CSR­Themen nur ausnahmsweise der Fall, was sich nun ändert. Es ist deshalb wichtig genau zu beobachten, welche Bereiche von CSR bald mehr sind als nur Empfehlungen oder gute Kommunikation, denn andernfalls können Unternehmen schmerzhafte Konsequenzen drohen, warnen Experten wie Häu­er: „Auf jedes Gesetz müssen Unternehmen entsprechend reagieren.“

Nach der CSR­Berichtspflicht kommt nun der Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte, eine Art menschenrechtskonformer Regelkatalog, den das Auswärtige Amt aufgestellt hat. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2020 mindestens die Hälfte der deutschen Unternehmen die „menschenrechtliche Sorgfalt“ bei ihren Handelsbeziehungen gewährleisten soll. Der mit den Ressorts für Arbeit, Justiz, Entwicklungshilfe, Finanzen und dem Wirtschaftsministerium abgestimmte Entwurf lässt offen, ob es tatsächlich zu weiteren gesetzlichen Vorgaben kommen wird. Aus Expertensicht sind neue Gesetze durch den Aktionsplan zwar eher unwahrscheinlich, dennoch steht er für einen Trend. „Und der wird sich in den kommenden Jahren immer stärker durchsetzen“, sagt Compliance­Berater Andreas Kark.

Handlungsbedarf im Mittelstand

Für Unternehmen bedeuten Berichtspflicht sowie Menschenrechts­ und Nachhaltigkeitsempfehlungen zunächst einmal keine zwangsläufigen Veränderungen in der Organisationsstruktur. Ratsam sind sie jedoch, meint Roland­Berger­Experte Häuser. Welchen Umfang diese Konsequenzen haben sollten, hänge ganz davon ab, wie ein Unternehmen aufgestellt ist. Große Unternehmen unterhalten meist eigene Compliance­Abteilungen, die ohnehin schon für CSR im Unternehmen zuständig sind. „Die müssen sich jetzt nicht wegen einem neuen Gesetz und neuen Empfehlungen umstrukturieren“, so Häuser.

Bei vielen mittelständischen Unternehmen dagegen gebe es nur einen einzelnen Compliance­Beauftragten. Hier habe es also womöglich durchaus Sinn, über interne Veränderungen nachzudenken und Compliance stärker mit CSR zu verzahnen, meint Häuser. Beispielsweise könnte man den Compliance­Beauftragten prophylaktisch in CSR­Aktivitäten einbinden. So wachsen beide Welten immer mehr zusammen. Und das, so Häuser, sei auch nötig: Anders könnten Unternehmen in Zukunft einfach nicht mehr gewährleisten, dass sie sich nicht plötzlich in Grauzonen beenden oder Gesetze missachten. 

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