Reisen ohne Reue

Von:  Geraldine Friedrich

Der Sommer steht vor der Tür und damit auch die Urlaubszeit. Neben den klassischen Reiseangeboten gibt es mittlerweile diverse nachhaltige Alternativen. Nachhaltiges Reisen bedeutet allerdings, nicht nur umweltschonend und fair unterwegs zu sein, sondern auch auf die faire Behandlung von Angestellten vor Ort zu achten.

Hier finden Sie 5 tolle Tipps für nachhaltiges Reisen:

Tipp 1 Für Familien und Schweiz-Fans:
Umweltschonende Jugendherbergen in der Schweiz Wer sich trotz Euro-Franken-Kurs für einen Urlaub in der Schweiz entscheidet, sollte sich gerade als Familie mit den insgesamt 53 Schweizer Jugendherbergen beschäftigen. Diese liegen nicht nur in privilegierten Lagen in landschaftlich reizvollen Gebieten, sondern schonen auch das Portemonnaie und legen Wert auf einen energiesparenden Betrieb. In der Schweiz bieten die Jugendherbergen weit mehr Komfort als der erwachsene Nicht- mehr-Student so gemeinhin mit der Unterkunftsvariante „Jugendherberge“ assoziiert. Dabei klassifizieren die Schweizer Jugendherbergen ihre Häuser in „einfach“, „klassisch“ und „top“. Die Top-Häuser können mühelos mit Hotels aus dem Drei- oder Vier-Sterne-Bereich mithalten und bieten neuerdings sogar eine tägliche Zimmerreinigung (Roomservice). 
Die nagelneue Jugendherberge in Saanen (Eröffnung im Juni 2014), in direkter Nachbarschaft des Nobelskiorts Gstaad, gehört zu diesen Top-Häusern. Sie wurde – wie übrigens die ebenfalls als „top“ klassifizierte Jugendherberge Interlaken (2012) – im höchsten Schweizer Niedrigenergiestandard „Minergie® P“ erbaut. „Wir müssen praktisch nie heizen“, erklärt Thomas Schetty (45), Betriebsleiter der Jugendherberge Saanen. Dabei kann es in der Schweiz kalt werden. Zum Gesamtkonzept gehört auch der Verbau möglichst weniger Materialien. Daher ist auch der Beton größtenteils unverputzt. Naturmaterialien, wie Eschen- und Eichenholz aus der Region, werden bevorzugt. Wie in der Schweiz üblich, ist die Jugendherberge außerdem gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Der moderne Bau erinnert an die klassischen Saanenländer Chalets, verfügt über große Gemeinschaftsräume und bietet je nach Bedarf Zwei- bis Sechsbettzimmer, entweder mit eigenem Bad oder einer Etagendusche. Paare mit Kind können natürlich ein Familienzimmer buchen. Fast alle Räume der Jugendherber- ge sind den Bergen zugewandt und erfreuen ihre Gäste bereits beim Aufwachen mit einer Aussicht auf die Schweizer Alpen. Damit sich die Eltern erholen und die Kinder herumtollen können, gibt es für die Kleinsten einen Spielplatz, ein Spielzimmer sowie Tischtennisplatten und Tischfußball.
Die Basler Jugendherberge gehört auch zu den Top-Häusern. Sie liegt mitten in der Altstadt und ist eine echte Alternative zu den meist teureren Hotels. Auch die schicke Jugendherberge in Interlaken mit eigener Bar und eigenem Restaurant liegt nur wenige Gehminuten vom Bahnhof „Interlaken-Ost“ entfernt und kann ebenfalls mühelos mit so manchem der in die Jahre gekommenen Vier-Sterne-Häusern im Ort mithalten. Alle Ju- gendherbergen bieten kostenloses WLAN an und häufig erhält der Gast auch ein Gratis-Ticket für den ÖPNV.
Die Schweizer Jugendherbergen sind eine gute Option für Autoreisende aus Deutschland, die den Weg nach Italien nicht an einem Stück durchziehen wollen, sondern – ganz im Sinne der Schonung eigener Energieressourcen – entspannt reisen wollen. 

Anreise: Mit der Montreux Oberland Bahn (MOB) von Bern über Spiez und Zweisimmen bis nach Saanen. Von dort zehn Minuten zu Fuß. Parkplätze sind gebührenpflichtig.
Weitere Informationen und Preise: www.youthhostel.ch/de/hostels/gstaadsaanenland, www.gstaad.ch, www.lama-und-co.ch, www.myswitzerland.ch, www.glacier3000.ch

Tipp 2 Für Natur- und Architekturfreunde:
Nationalpark und Filmkulisse – die Bardenas Reales in Nordspanien Die Bardenas Reales sind ein hierzulande noch unbekanntes Naturschutzgebiet von 415 Quadratkilometer, bei dem durch Erosion eine Wüstenlandschaft mit spektakulären Felsformationen entstanden ist. Seit 2000 wurden sie zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt und dienen als beliebte Filmkulisse, u.a. wurden Filmsequenzen für den James-Bond „Die Welt ist nicht genug“ dort aufgenommen. Auch Ridley Scott entschied sich für seinen Film „The Counselor“ für die Bardenas Reales.
Für Normalsterbliche lässt sich die Landschaft am besten mit einer geführten Tour in einem geländetauglichen Auto oder mittels Körpereinsatz mit dem Segway auskundschaften. Hartgesottene können das Gebiet per Mountainbike erkunden.
Interessierten Besuchern bringen lokale Reiseführer die Natur, Vegetation aber auch die Folgen der Erosion näher, wodurch sie die Veränderungen, die der Mensch in der Natur bewirkt, verdeutlicht bekommen. Hierzu gibt es außerdem eine Art Museum.
Wer auf eigene Faust die Bardenas Reales erkunden möchte, sollte bedenken, dass es in dieser fast baumlosen Landschaft schnell zu Temperaturen von 50 Grad und mehr kommt.
Die Anreise, nahe der Kleinstadt Tudela, lässt sich klimaschonend mit einem längeren Trip nach Nordspanien verbinden. Die Provinz Navarra, in der die Bardenas Reales liegen, bietet zahlreiche kulturelle und landschaftliche Highlights. Angefangen von sehenswerten Städten wie Pamplona, Olite und Tudela, bis zu der abwechslungsreichen Landschaft, die einerseits karg ist (Bardenas Reales), aber auch außerordentlich fruchtbar. Direkt neben dem seit 1999 als Naturpark geschützten Teil gedeihen Oliven, Artischocken und Wein. Das Gemüse findet seinen Weg in die kunstvollen und trotzdem preisgünstigen Pinchos, eine navarresische Version der Tapas, die in den örtlichen Bars serviert werden.

Anreise: Am besten nach Pamplona oder Zaragoza fliegen. Von dort sind es noch rund 30 bis 45 Minuten Anfahrt. Alternativ einen Flug nach Bilbao buchen (danach etwa zwei Autostunden).
Hoteltipp: Das Aire de Bardenas liegt direkt neben dem Naturschutzgebiet und spricht Freunde der modernen Architektur an. Der von außen schlichte und funktionale Baucontainer- Charme soll an die umliegenden Lagerhallen für das Gemüse erinnern.
Weitere Informationen: www.hotelaire.com
Ausflüge: Mit dem Segway zu den schönsten Aussichtspunkten der Bardenas Reales: http://www.turismo.navarra.es/deu/organice-viaje/recurso/Patrimonio/3023....
Oder mit dem Jeep: www.nataven.es, www.turismobardenas.com

Tipp 3 Für Bewegungsfreudige und Wallfahrer: Pilgern mit dem Bayerischen Pilgerbüro
Was ist nachhaltiger als per Pedes zu reisen? Beim Pilgern gehört das Wandern zum Programm. Dabei muss es nicht immer gleich der gesamte Jakobsweg in Spanien sein. Fast alle Reisen zu Wallfahrtsorten organisiert das Bayerische Pilgerbüro umweltschonend per Bahn oder per Bus. Weiter entfernt liegende Stätten, wie Lourdes oder Fátima, erreichen Pilger per Flugzeug, weil auch Pilger älter oder nicht mehr so fit sind und daher zwölfstündige oder noch längere Busfahrten nicht mehr unternehmen können. Jede Pilgerreise wird, im Unterschied zu den Studienreisen, die das Pilgerbüro ebenfalls anbietet, von einem Geistlichen begleitet. Das Angebot richtet sich auch an Interessierte, über Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg. Alles kann, nichts muss – kein Reisender wird missioniert oder gar gezwungen an irgendwelchen Gottesdiensten teilzunehmen. Im Vordergrund steht das gemeinsame Erleben eines spirituellen Ortes.
Mit jeder Buchung fließt Geld in einen Pilgerfonds. Das führt zu einem generationenübergreifenden Ausgleich: Ein Teil dieser Gelder trägt beispielsweise zur Finanzierung des Pflegepersonals für die Sonderzugreisen bzw. Krankenflüge nach Lourdes bei. So erhalten gebrechliche ältere Menschen, Kranke und Behinderte die Möglichkeit, sich auch ohne eigene Begleitung auf eine Pilgerreise zu begeben. 
Ebenfalls gut zu wissen: Alljährlich veranstaltet das Bayerische Pilgerbüro eine große Familienpilgerreise, die vergleichsweise günstig ist. Kinder zahlen in der Regel nur die Hälfte des Erwachsenenpreises. Diese Reisen werden stets mit Zug oder Bus unternommen, da sie so zum einen umweltschonender und zum anderen für Familien am ehesten finanzierbar sind. Weiter Informationen: www.pilgerreisen.de

Tipp 4 Für Ess- und Bewegungsfreudige:
Pilzseminar in der Schwarzwälder Pilzlehrschau Die einen machen Yoga, andere gehen in den Wald und sammeln Steinpilze, Pfifferlinge und Maronen. Beides trägt zur Entschleunigung des Alltages bei. Auch wer nichts findet, hat sich wenigstens an der frischen Luft bewegt. Der Pilzurlaub im eigenen Land schont angesichts kurzer Wege Ressourcen, das Portemonnaie und mutiert mit etwas Sammlerglück zu einer echten Genießer-Reise. Damit die schönen Funde schließlich auch ohne Ängste ihren Weg in die Pfanne finden, bietet die Schwarzwälder Pilzlehrschau in Hornberg ein Einsteigerseminar an. Dort lernen Interessierte in einem 2,5-tägigen Einsteigerseminar bis zu 100 verschiedene Pilzarten (nicht Sorten!) kennen. Am Ende sollte jeder 10 bis 20 Arten sicher unterscheiden können. Darunter Fungi mit wohlklingenden Namen wie Krause Glucke, Flockenstieliger Hexenröhrling oder Schweinsohr. Die künftigen Mykologen lernen außerdem, wie sie Pilze umweltschonend sammeln. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da nicht-sachkundige oder rücksichtslose Pilzsammler in vielen Wäldern große Schäden anrichten können: Wer Regeln wie „alte Exemplare stehen lassen und ganz junge auch“ kennt und beherzigt, hilft, den Wald zu schützen.
Ebenfalls wichtig: Das Seminar vermittelt das notwendige Zusammenspiel zwischen Flora (Pflanzen) und Pilzen (Fungi). Viele Bäume benötigen eine spezielle Pilzart für ihren Nährstoffaustausch. Dies lässt sich schon häufig an den Namen der Pilze ablesen, wie Fichtensteinpilz, Espenrotkappe oder Birkenpilz.
Anreise: Mit Zug direkt bis Hornberg im Schwarzwald möglich Unterkunft: Am besten eine Ferienwohnung in der Nähe der Pilzlehrschau buchen, damit man die Funde noch vor Ort in der eigenen Küche verarbeiten kann.
Hinweis: Gute Schuhe, Körbchen und Messer nicht vergessen
Weitere Informationen: www.pilzzentrum.de, www.hornberg.de

Tipp 5 Für Familien und Wasserliebhaber:
Urlaub auf dem BungalowBoot Das BunBo ist eine Art Ferienhaus auf einem Boot. Betrieben wird es mit Diesel. Der Verbrauch hält sich bei einem Tempo von 7 bis 8 Kilometer pro Stunde mit rund 1,5 bis 2,5 Liter in Grenzen. Der benötigte Strom speist sich direkt aus einer Solarzelle und der Abwärme des Motors. Föhn, Mikrowelle und Toaster, eben alles, was einen hohen Stromverbrauch hat, können an Bord daher nicht betrieben werden. Dafür gibt es an Bord aber eine Feuerschale, damit grillfreudige BunBo-Reisende nicht mit wilden Lagerfeuern die Natur ruinieren.
Beim Bau des Bootes wurde darauf geachtet, dass der Rumpf den Wellenschlag so minimiert, dass Enten, Frösche und vor allem deren Nachwuchs davor bewahrt werden, von den Wellen vorbeifahrender BunBos überschwemmt zu werden. Auch verfügen die BunBos über Ankerpfähle, die es ermöglichen, das Boot in seichtem Wasser zu ankern. Das Boot muss daher nicht direkt am Ufer anlegen und stört somit nicht die sensible Natur, etwa wenn man sich in Schilfgebieten befindet.
BunBos verkehren derzeit ab Brandenburg an der Havel, Buchholz, Fürstenberg und ab Ruppin/Lindow. Zwei weitere BunBos werden außerdem in den Niederlanden betrieben. Die schlechte Nachricht: Für den Sommer 2014 sind alle Boote bereits ausgebucht. Aber 2015 kommt bestimmt.
Weitere Informationen: www.bunbo.de

Fazit
Wer privat umweltschonend und sozial verträglich reisen will, sollte auf umweltschonende Transportvarianten, wie Bahn und Bus, setzen oder sich an die Vorgaben für Flugreisen des forums anders reisen e.V. halten. Wichtig sind zudem das eigene Verhalten vor Ort und die Wahl einer ökologisch und sozial verträglichen Unterkunft am entsprechenden Urlaubsziel. Billigurlaube in Hotelghettos gehören sicher nicht dazu. Auch der Urlaubszweck selbst kann nachhaltig sein, in dem man sich beispielsweise am Urlaubsort individuell mit der Natur auseinandersetzt. Idealerweise kombiniert man auf seiner Reise mindestens zwei dieser Punkte.

Fotos: Bayerisches Pilgerbüro & Aquare Charter GmbHN-Kompass, Fotolia | Jenny Sturm

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